Kardinal Kasper auf Werbetour
Was im Buch von Kardinal Kasper zum Thema Missbrauch steht, kommentiert Domradio:
Missbrauch kaum ein Thema
So unterhaltsam im besten Sinne und – für einen solchen Kirchenmann von Rang kaum verwunderlich – theologisch fundiert das knapp 180 Seiten starke Buch zu ganz unterschiedlichen Themen wie Ekklesiologie, Ökumene oder Synodalität daherkommt, so rätselhaft randständig bleibt doch das Thema sexualisierte Gewalt und geistlicher Missbrauch.
Schaut man, wie groß die Verletzungen bei Missbrauchsbetroffenen waren und sind, wie viel Schuld Bischöfe, Priester und Personalverantwortliche in deutschen Bistümern auf sich geladen haben, so ist der knappe Raum, den das Thema einnimmt, doch ärgerlich. Gerade von einem so erfahrenen und weit gereisten Kurienkardinal wäre es doch wichtig gewesen, seine vielleicht auch selbstkritischen Gedanken (immerhin war Kasper zehn Jahre Diözesanbischof) ausführlicher als geschehen zu formulieren.
dazu Stellungnahme zur Anzeige gegen Kardinal Kasper:
Das Datum war mit Bedacht gewählt: am Hochfest Peter und Paul am 29. Juni 2025 reichte der Journalist und Autor Karlheinz Heiss (Missbrauch: …wie war das bei Bischof Sproll) eine Anzeige gegen den ehemaligen Bischof von Rottenburg-Stuttgart und späteren Kurienkardinal Walter Kasper ein. Adressat war Papst Leo XIV., der Brief ging an Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterović mit der Bitte um Weiterleitung. Begründung: Vertuschung durch Versetzen von Priestern während Kaspers Amtszeit als Bischof von Rottenburg-Stuttgart (17. Juni 1989 - 31. Mai 1999). „Die Priester waren des sexuellen Missbrauchs beschuldigt bzw. haben denselben eingeräumt. Durch die Versetzung in eine andere Gemeinde wurden Kinder und Jugendliche in ernste Gefahr gebracht, ebenfalls Opfer dieser Priester zu werden.“, schreibt Heiss in seiner Begründung. Namentlich benannt hatte er Pfarrer Bernhard Rapp, geboren 1948, gestorben 2012, während der Amtszeit Kaspers Pfarrer in Wangen im Allgäu. Nach öffentlich gemachten Vorwürfen gegen Pfarrer Rapp (www.netzwerk-betroffenenhilfe.de) hat die Diözese Veranstaltungen an den Wirkungsorten des Pfarrers in Oberndorf am Neckar und Wangen im Allgäu durchgeführt; Schwäbisch Gmünd und Ulm sollen folgen.
Auf die Frage nach den Gründen für die Anzeige erklärt Heiss, dass dieser Schritt für ihn inhaltlich notwendig und aus Sicht seiner Arbeit folgerichtig sei. „Wenn Betroffenen ein Stück Gerechtigkeit widerfahren soll, dann müssen die Verantwortlichen für die Vertuschung des sexuellen Missbrauchs auch einem kirchenrechtlichen Verfahren zugeführt werden.“
und schließlich (ebenfalls domradio):
Missbrauch als "bekanntes Phänomen"
Sexueller Missbrauch in der Diözese sei "innerhalb der Kirchenstruktur kein Geheimnis, sondern grundsätzlich ein bekanntes Phänomen" gewesen. Präzise definierte Begriffe wie "sexueller Missbrauch" oder "sexualisierte Gewalt" seien damals aber in der katholischen Kirche und ihrer Verwaltung nicht gebräuchlich gewesen.
In dieser Sprachkultur sei auf verharmlosende Formulierungen zurückgegriffen worden. Fälle seien nicht ernst genommen oder schöngeredet worden.
"Verstecken" sei offenbar ein gängiger Begriff für den Umgang mit kirchlichen Sexualstraftätern gewesen. So heiße es in einem Fall aus der Bischofs-Amtszeit von Walter Kasper in einer Aktennotiz des damaligen Personalreferenten: "Er müsste dann halt noch einen Monat im (Kloster) verlängern. Ich weiß kein anderes 'Versteck'".